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Warten auf Frau Petra

Das Regal wurde aus dem frischrenovierten Gartenhaus in den kleinen Salon umgezogen. Denn Künstler sind sperrig. Es braucht Platz für selbstgebastelte CDs, Bücher, DVDs, und was alles so anfällt. Und auch die Bewirtung kann nun repräsentativer gestaltet werden.


Nach EDEN

Wer schon einmal mit der Freude, Fantasie und Erwartung einer Buchherstellung gelebt hat, wird wissen, dass die wahre Teuernis folgt, wenn das Werk vorliegt. Nur allein die große Menge an Freunden, nur allein sie bedacht, die beglückt werden sollen und deren Einkommen gerade reicht, die Kosten des Zweitautos beklagen zu können. Und würde ihr Hirn scheitern, das Werk zu lesen, so sind es doch bestliebste Menschen, die dann auf Jahre verzweifelt versuchen es nicht dahin kommen zu lassen, dass nach ihrem Gefallen gefragt werden könnte. Einige Selbstbewusste handeln das Ganze mit einem „Demnächst“ ab und finden das Foto auf dem Einband schön.
 
 
Es soll an dieser Stelle vom Porto geschwiegen werden, wenn die Freunde weiter entfernt wohnen und beleidigt sind, wenn nicht an sie gedacht wird, am besten zu nachtschlafender Stunde und mit dem Entsetzen der Schuld. Es soll im Weiteren davon geschwiegen werden, dass Bücher auch als Verkaufsprodukte vorkommen, das ist dann eher eine Angelegenheit für Fremde.

Die Frage lautet: Warum trotzdem? Es sei die Antwort der Liebe gegeben, und die schnelle Auffassung sei gewarnt: Es ist die Liebe zum Getanen, zum Werk. Dazu braucht es die Freunde, weil das Werk sonst einsam wäre, dazu braucht es die Sozialität, und ob sie auch noch so teuer ist.

Es sei hier noch kurz angewähnt, dass keine Wahrheit derart absolut ist, dass es nicht eine andere Erfahrung gäbe. Und selbst da bestätigen Ausnahmen die Regel, je nach Hirnenge. „Nach Eden“ ist erschienen, einem Engel im Regen gleich, und wer die Tür öffnet, möge sich nicht wundern, wenn er sie nach draußen bittet.

Friedhelm Kändler

Diese Toten

Hört auf, sie immer Miriam
und Rachel und Sulamith
und Aron und David zu nennen
in eueren Trauerworten!
Sie haben auch Anna geheißen
und Maria und Margarete
und Helmut und Siegfried:
Sie haben geheißen wie ihr heißt ...

Sie waren wir ihr seid.
Der einzige Unterschied
war der Stern den sie tragen mußten
und was man ihnen getan hat:
Sie starben wie alle Menschen sterben
wenn man sie tötet
nur sind nicht alle Menschen
in Gaskammern gestorben

Hört auf, aus ihnen
ein fremdes Zeichen zu machen!
Sie waren nicht nur wie ihr
sie waren ein Teil von euch:
wer Menschen tötet
tötet immer seinesgleichen.
Jeder der sie ermordet
tötet sich selbst

Erich Fried - DIESE TOTEN

Gespräche wie diese...


Novembernacht

vor dem Studio